2. Rang, 2. Preis, Kennwort "il Gattopardo"

Verfasserin:
Christ & Gantenbein AG. Basel

Mitarbeit:
Emanuel Christ, Christoph Gantenbein
Kai Timmermann, Frieder Käser
Andrea Sauter, Laura Schneider

Projektbeitrag als PDF (1.7MB)

Jurytext:
Der starke Schnitt durch die Räume der Villa evoziert Bilder eines Nebeneinanders von Geschichte, Zeit und Funktion, eine Verknüpfung von Baukultur und Restaurierungskonzept, das die Alterung von Bauten, aber auch ihren Verlust thematisiert. Das vorgeschlagene prozesshafte, werkstattartige Vorgehen des Freilegens und Konservierens bis zur letzten originalen Schicht erzeugt den Charakter einer neuen spezifisch künstlerischen Aesthetik. Die entstandene Patina, als Spur einer vergangenen  Zeit verstanden, wird  zum Stimmungsträger einer neuen reversiblen Haut. Dieses Vorgehen ermöglicht einen unmittelbaren lebendigen Zugang zur Frage des Ortes und seiner Geschichte: ein klares Bekenntnis gegen den impliziten Anspruch einer originalgetreuen Rekonstruktion. Ein spezifischer Moment einer imaginären Zeit wird konserviert und auf künstlerische Art neu interpretiert. Das primäre Exponat ist die Villa selbst, nämlich eine "Kunsthalle" der Baukultur, als lebendig genutzer Ort. Die Funktionsverteilung ist klar und verständlich aufgebaut. Ueber die optimale Lage der Ausstellungsräume im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss wird der repräsentative, architektonisch interessante Teil der Villa für den Besucher bis in die zweigeschossige Halle erlebbar gemacht. In den ästhetisch weniger anspruchsvollen Räumen im 2. Ober-geschoss werden die Räume folgerichtig zu Studierzimmern umfunktioniert. Die "robusten" Nutzungen wie Werken für Kinder, beleben das Gartengeschoss. Die statisch unabhängige und überraschende Anbindung des unterirdisch reich ausgestatteten Versammlungsraumes hat seine architektonische Entsprechung im Vorbild des zentralen Vestibuls und seinen malajischen Schnitzereien im 2.Obergeschoss. Ein "Traumraum," wie ihn die Verfasser nennen, den man an diesem Ort nicht erwartet. Das Kutscherhaus ist als unabhängiges Haus an unverwechselbarem Ort frei vermietbar.

Aus dem offensichtlichen Mangel an ursprünglichem Mobiliar wird ein immaginärer Katalog von Möbelstücken vorgeschlagen, so als hätten Don Fabrizio Corbera und seine Familie die Villa gerade eben verlassen. Trotz den sorgfältig ausgesuchten Exemplaren hat die Auswahl etwas Beliebiges.

Die Dauerausstellungen im Erdgeschoss sind ein integrativer Teil der Villa, sie richten sich nach den vorgefundenen ar-chitektonischen Situationen. Die Ausstellungen werden zur Geschichte der Villa selbst und erzeugen dadurch eine gewisse Permanenz der Räume. Eine denkmalpflegerisch freie Interpretation erfährt die Täferung im Herrenzimmer, an die Stelle des zerstörten Täfers tritt eine Auskleidung mit Wandvitrinen, die Ausstellungsobjekte der Dauerausstellung werden zum Wandschmuck, zur tragenden Idee des Raums. Durch die gestalterische Ueberlagerung von Funktion und Vorgefundenem erhält der Raum eine Art von unmittelbarem, improvisiertem Werkstatt - Charakter.

Dieser Ansatz der Veränderung dieses Raums ist losgelöst von gängigen Vorstellungen und müsste kritisch hinterfragt werden. Das Konzept basiert auf einer präzisen Analyse der Villa und ihrer Struktur, respektvoll kombiniert mit den neuen Anforderungen an eine öffentliche Nut-zung. Ein Vorschlag, der für ein lebendiges, robustes Baukulturzentrum der Neuzeit stehen könnte. Im heutigen Entwurfsstadium liegt jedoch der Schwerpunkt auf dem künstlerisch konzeptionellen Inhalt und der eigenständigen unkonventionellen Haltung gegenüber denkmalpflegerischen Usanzen.

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